Ausgabe 31 · März 2021

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Leserbriefe

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Nicht aged

Zu: Der Kern des Leders(attels) (Ausgabe 11)

Ich lese gerade den Artikel von Rainer Mai über Ledersättel und deren Pflege. Ich fand darin auch gute Infos. Nur in einem stimme ich nicht mit dem Autor überein: Aged-Sättel von Brooks, ok. Weicheier ist ein guter Spruch, aber ich fahre auf einem meiner Reiseräder (R&M Delite Jubilee) seit über 15 Jahren einen Aged, eingefahren mit wenig Fett, und bin davon überzeugt. Auf meinem zweiten Reiserad (Off Rohler) nutze ich seit fünf Jahren ebenfalls einen Brooks, aber dieser ist schwarz und nicht aged. Er ist immer noch recht fest, trotz regelmäßigem Fetten. Aber er fährt sich gut.

Beste Radlergrüße

Detlef Liebe, Berlin

Abzocke in der freundlichen Stadt am Teutoburger Wald

Zu: XX. StVO-Novelle: besserer Schutz für Radfahrer? Eine kritische Analyse (Ausgabe 30)

Ich fahre gern und viel Fahrrad und nutze es neben Pkw und Oldtimer-Motorrad (selten) auch zum Pendeln zwischen Bielefeld und Gütersloh statt Fitnessbude. Was ich über die Jahre auf dem Radweg und im Straßenverkehr mit dem Fahrrad hier in Ostwestfalen so erleben durfte, ist ein reines Abenteuer. Nur mit großer Erfahrung und innerem, extrem defensivem Fahrstil überlebt man auf dem Rad. Gut – interessiert kein Schwein, sind ja nur RadfahrerInnen.

Umgekehrt sieht das Ganze allerdings anders aus. Normalerweise fahre ich nie über rote Ampeln, auch nicht über dunkelgelbe. Aber vor ein paar Jahren bog ich in Bielefeld an der Sudbrackstraße an einer roten Ampel (ohne grünem Pfeil) auf dem Radweg ab, wurde von einem Polizeifahrzeug angehalten und kräftig zur Kasse gebeten. Ich habe die Tat sofort zugegeben und mit Engelszungen auf die beiden Beamten in Richtung Bagatelldelikt eingeredet. Brachte alles nichts, ein Punkt und über 80 € inkl. Gebühren für eine Tat, bei der ich niemanden behindert oder gefährdet habe, sondern einfach dem Radweg gefolgt bin. Das war nach 34 Jahren Straßenverkehr auf Motorrad, Pkw, Lkw und Fahrrad mein erster Punkt.

Allerdings hat das in Bielefeld wohl Tradition: Im selben Monat passierte das an derselben Kreuzung einer sehr guten Freundin und einem engelsbraven Arbeitskollegen, der sich seit Jahrzehnten nur auf dem Fahrrad in Bielefeld fortbewegt. Beide zahlten drakonische 80 bzw. sogar über 100 € und kassierten ebenfalls jeweils einen Punkt für das Umfahren einer Ampel mit Radweg. Beide sind extrem erfahrene und vorsichtige RadlerInnen, sonst wären sie längst tot.

Wenn man nachts in der freundlichen Stadt am Teutoburger Wald die Fenster öffnet, hört man die illegalen Rennen mit von Papa geliehenen PS-Boliden, die im ländlichen Speckgürtel bis zum Drehzahlbegrenzer aufgerissen werden, um auf den vermeintlich freien Landstraßen ganzjährig um die Stadt zu rasen. Samstags in der Innenstadt, die seit Jahrzehnten eine 30er-Zone, Tempo 40 oder fast autofrei sein müsste, liefern sich zwielichtige, blutjunge Egoisten Autorennen. Manch einer stellt seinen tiefergelegten Maurerporsche wahrscheinlich mit Kokstütchen im Handschuhfach mitten auf den Radweg und den Bürgersteig, macht alle Türen auf und legt sich mit Radlern und Fußgängern an, nur um zu provozieren.

Hier greift so gut wie niemand ein, das wird als normales Übel einer Großstadt gedulded, das Klientel dürfte bei 160 km/h auf der Landstraße oder 90 km/h in der Innenstadt mit 400 PS auch unangenehmer abzukassieren sein als RadlerInnen, die seit Jahrzehnten auf den längst überfälligen grünen Pfeil auf ihrem Radweg warten. Einige Monate später hat der damals zuständige Fahrradbeauftragte der Stadt aufgegeben und hat resigniert seine Stelle an den Nagel gehängt. Ist schon ein paar Jahre her, aber die Situation hat sich seitdem kaum geändert.

Ich hatte mich im April sehr auf die verschärften Regeln bei Geschwindigkeitsübertretungen gefreut. Es griff sofort, erlebbar in Form von erheblich bedächtiger fahrenden VerkehrsteilnehmerInnen. Das hat mir gefallen. Leider sind die Regeln zurückgenommen worden und es kann weiter ohne Reue gerast werden. Und leider hat die Stadt systematisch kurz vor dem Greifen des verschärften Gesetzes plötzlich auf extrem breiten, vierspurigen Straßen kurze 300 Meter lange Zone-30-Abschnitte mit diversen Uhrzeiten eingerichtet, deren Schilder man im Pkw nur schwer erkennen kann, um die AutofahrerInnen offensichtlich abzuzocken (angeblich um SchülerInnen zu schützen). An der Apfelstraße wechseln die Uhrzeiten für 30 km/h Höchstgeschwindigkeit alle 500 Meter. Wehe dem, der die wechselnde Uhrzeit nach dem dritten Zusatzschild verpasst hat. Mit so einem Flickenteppich ist keinem Radelnden und sicher auch keinem Schulpflichtigen geholfen. Anstatt einfach die gesamte Innenstadt und gefährliche Straßen mit 30 oder 40 km/h Höchstgeschwindigkeit samt scharfen Kontrollen zu entschleunigen und durch zeitgemäßes Gleiten wesentlich umweltfreundlicher zu machen, werden brave Bürger zur Kasse gebeten. Alles für die Sicherheit!

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Bielefeld kein Einzelfall ist. Aber diese Art der Verkehrspolitik hilft niemandem weiter. Wir sind gefühlt noch Jahrhunderte von der ach so ersehnten Verkehrswende entfernt. Also Freunde, Laubbläser an und dann mit dem elektrischen 2,5-Tonner in die Stadt zum Weihnachtseinkauf.

Martin K., Bielefeld

Einfach und kostengünstig reparieren

Zu: Vintage-Pedal von Suntour – mit Schmiernippel, wartungsfreundlich und reparierbar (Ausgabe 30)

Seit Jahren nutze ich mit Zufriedenheit Pedale der Marke MKS und verbaue sie an all meinen Fahrrädern. Normalerweise sind es die Sylvian-Touring-Pedale mit einstellbarem und nachfettbarem Konuslager. An einem Fahrrad nutze ich jetzt seit einigen Jahren die teurere Variante Sylvian Touring Next, die butterweich und gefühlt noch reibungsärmer laufen. Nach einer Laufleistung von jetzt irgendwo zwischen 15000 bis 25000 Kilometern begann ein Pedal zu knacken. Also wurden die Pedale zerlegt (siehe Bild) und freudigerweise zeigte sich, dass Standardlager verbaut wurden. 6700-2RS und 686-ZZ. Das eine äußere 686-ZZ-Lager musste getauscht werden. Die Lager gibt es im Modellbauladen und zwei Stück 686-ZZ kosteten mich 3 € (im Internet natürlich billiger). Gefettet werden muss bei den Sylvian-Touring-Next-Pedalen nichts, da die Lager geschlossen sind. Und warum schreibe ich Ihnen das jetzt? Weil ich immer wieder positiv überrascht bin, dass es auch heute noch Komponenten gibt, die einfach und kostengünstig repariert werden können.

In diesem Sinne: ein gesundes und frohes 2021! Mit freundlichen Grüßen

Eike Helm, Diepholz

So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Zu: Pedelec versus Muskelkraft – eine umfassende Kritik (Ausgabe 30)

Vielen Dank für die neueste, wieder sehr informative Ausgabe der Fahrradzukunft. Diese Anmerkungen als Leserbrief habe ich bezüglich »Pedelec versus Muskelkraft«: hervorragend, mit welcher Detailliertheit sich der Autor dem Thema widmet. Doch: Wer liest einen solch langen Artikel komplett?

Die Essenz ist dabei sehr kurz abgetan:

  • Der Mensch ist und bleibt ein Bewegungstier,
  • der das andere Tier, den »inneren Schweinehund«, täglich aufs Neue zu überwinden hat.
  • Das Pedelec hat einen Sinn, wenn es nicht im Zusammenhang (nur) mit Muskelkraft betrachtet wird.

Es hat einen positiven Effekt, wenn

  • es als Ersatz für einen PKW, auch nur als Teilersatz, eingesetzt wird,
  • es Menschen in Bewegung bringt, die sich sonst gar nicht bewegen würden,
  • es die Lebensfreunde stärkt.

Zur Vermeidung von Missverständnissen: Ich bin kein Fürsprecher für Pedelecs, denn auch ich bin der Meinung, dass das Fahrrad von seiner Einfachheit und Leichtigkeit lebt, getreu dem Ingenieursmotto: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Freue mich auf die nächste Ausgabe.

Kai Dirks, Sande

Dem Biobiker sein Biobike, dem Pedelecfahrer sein E-Bike!

Zu: Pedelec versus Muskelkraft – eine umfassende Kritik (Ausgabe 30)

Ralf Stein-Cadenbach gibt auf knapp 20 Seiten die Argumente pro Pedelec fair wieder und begründet seine gegenteilige Meinung klar und umfassend. Ein guter Artikel. Damit ist aber auch alles gesagt und wir sollten diese Diskussion beenden. Dem Biobiker sein Biobike, dem Pedelecfahrer sein E-Bike! Es gibt hier kein Oder, sondern nur ein Und und viele gemeinsame Interessen. In der »Fahrradzukunft« muss Platz sein für alles, was die StVO als Fahrrad ansieht und für die S-Pedelecs noch dazu. Der Redaktion bleibt ihre Vorliebe unbenommen, solange die Auswahl der Themen den Interessen der Leser entspricht. Mich z. B. interessieren Artikel über Pedelecs.

Herwig Holme, Offenburg

Viel Energie aufgebracht

Zu: Pedelec versus Muskelkraft – eine umfassende Kritik (Ausgabe 30)

Nach dem Lesen des o. g. Artikels bin ich erstaunt, wie viel Energie da jemand aufbringt, um anderen ihr Hobby schlechtzureden. Und das nur, weil es ein E-Bike ist und nicht wie seins ohne Motor. Viel Mühe gemacht, um ein Armutszeugnis abzugeben.

Werner Bach, Bad Neuenahr-Ahrweiler

Aus der Seele gesprochen

Zu: Pedelec versus Muskelkraft – eine umfassende Kritik (Ausgabe 30)

Selten hat mir ein Artikel so aus der Seele gesprochen! Vielen Dank für die Argumentationshilfe bei zukünftigen Gesprächen.

Oliver Wiebensohn, Solingen