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Ausgabe 30

November 2020

Diese Ausgabe als PDF

Editorial

Von Fahrrädern – und Dosenöffnern

Liebe Leser*innen,

Unsere runde Nummer 30 ist mal wieder sehr gut gereift – dafür haben wir eine Reihe hochkarätiger Artikel zusammengetragen, die Sie so nur in der Fahrradzukunft finden.

Beim umfangreichsten und meines Erachtens wichtigsten Artikel dachte ich zuerst an einen Dosenöffner. Was so ein banales Küchengerät mit Muskelkraftmobilität zu tun hat? Mehr, als Sie denken … Vielleicht haben Sie sich beim Öffnen einer Dose auch schon über ein völlig unergonomisches Gerät geärgert? Sie müssen beständig drücken, damit die völlig stumpfe Schneide nicht rausrutscht. Dabei ist das Teil kantig, die Hand schmerzt – eine mühselige Angelegenheit. Einmal habe ich dann bei Freunden einen elektrischen Dosenöffner ausprobiert – welch ein Komfort! Klare Sache also: Ohne Motor geht's nicht, oder? Tja, dann habe ich jedoch einen einfachen »Muskelkraft«-Dosenöffner gefunden, bei dem man nicht dauernd drücken muss. Die Flügel sind sanft zu den Fingern und überhaupt geht das Drehen ganz einfach, da hier eine scharfe, gehärtete Stahlrolle schneidet …

Wir in der Redaktion möchten zeigen, was im Mobilitätsbereich mit effizient eingesetzter Muskelkraft möglich ist. Denn: Fortbewegung zu Fuß und per Fahrrad ist nach der (verkehrspolitisch notwendigen!) Vermeidung von Zwangsmobilität die ökologisch und gesundheitlich optimale Form der Fortbewegung. Daher sehen wir den aktuellen Pedelec-Hype, der wie in den 1960er Jahren das Fahrrad zu einem Verkehrsmittel »mit Mangel« (= ohne Motor) degradiert, sehr kritisch. Ralf Stein-Cadenbach begründet diese Position in seinem Beitrag ausführlich.

Mehr Radverkehr im Alltag braucht günstige Rahmenbedingungen – Radfahrer*innen und Fußgänger*innen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts im Kanton Graubünden sogar durch ein kantonales Automobilverbot geschützt. Bringt uns die neue Straßenverkehrsordnung hier weiter? Samuel Littig ist skeptisch und hat sich die Neuerungen in seinem Artikel genauer angeschaut.

Auch wenn es manchmal anders suggeriert wird: Auch Radfahrer*innen leben nicht in der Mobilitätssteinzeit und möchten Navi und Smartphone gern autonom »nachbetanken«. Wie dies elegant geht, hat Andreas Oehler in seiner neuen Folge aus der Reihe »Steckdose unterwegs« untersucht.

In meinem kleinen Beitrag zeige ich, wie langlebige und reparierbare Technik am Fahrrad aussehen könnte.

Olaf Schultz erzählt in unserer Serie »Lieblingsrad«, wie schwierig es ist, sich für ein Lieblingsrad zu entscheiden.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht im Namen des Redaktionsteams
Stefan Buballa

PS: Wir brauchen Unterstützung in Form von Artikeln, suchen aber auch dauerhaft Mitarbeiter*innen – zur Zeit dringend eine/n Bildredakteur*in.