Fahrradzukunft

Ausgabe 8

März 2009

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Alltagstuning für Kinderanhänger

von Christoph Dörffel

Bild 1: Modifizierter Kindercar mit Zugfahrzeug

Anforderungen an einen alltagstauglichen Kinderanhänger

Für mich sind Anforderungen an einen alltagstauglichen Kinderanhänger einfach und klar. Er muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Eignung auch für den Lastentransport
  • möglichst wenig Spezialteile
  • komfortables Be- und Entladen
  • auch bei Dunkelheit und schlechtem Wetter voll nutzbar

Die ersten zwei Punkte kann man durch die richtige Modellwahl ohne weiteres erfüllen. Für den Lastentransport ist eine feste Wanne aus Aluminium oder Kunststoff sehr wichtig. Stoffböden sind nicht so tragfähig wie eine feste Wanne und können von sperrigen Transportgütern leicht beschädigt werden. Anhänger mit fester Wanne lassen sich auch nach dem Einsatz als Kinderanhänger gut als reine Lastanhänger weiter nutzen und sind daher auf dem Gebrauchtmarkt relativ selten zu finden.

Für die anderen Anforderungen gibt es leider noch sehr wenige fertige Lösungen am Markt. Ich habe dabei das Gefühl, dass die meisten Anhänger als reine Freizeitfahrzeuge konzipiert sind und daher auf einfachste praktische Details verzichtet wird. Daher habe ich meinen Kindercaranhänger nach und nach an meine Bedürfnisse angepasst, ohne viel Aufwand, ohne großes Budget aber mit großer Wirkung. Die Änderungen lassen sich an jedem Hänger mit umlaufendem Rahmen mit einfachen Mitteln nachbauen.

Beladen, Entladen, Abstellen

Da Kinderanhänger normalerweise nur Achse haben, kippen sie ohne Zugfahrzeug nach vorne oder hinten. Das ist für den kleinen Passagier nicht angenehm, das Be- und Entladen ist schwieriger und der Hänger wird dreckig und nass. Ein Buggy- oder Joggerset löst das Problem auch nur bedingt, da der Anbau des drittens Rades relativ lange dauert und die Sets meistens relativ teuer sind.

Damit mein Hänger nicht kippt, habe ich ganz einfach zwei billige Hinterbauständer beim Discounter gekauft (im Fachhandel habe ich noch kein Modell mit so einer Klemmung entdeckt) und vorne und hinten einen angeschraubt.

Bild 2: Am Rahmen montierte Ständer

Die Ständer sind mit einem kurzen Fußtritt ein- und ausgeklappt und der Hänger kann auch bei ungleichmäßiger Beladung nicht mehr kippen.

Wichtig ist es, die Ständer so einzustellen, dass sie auch eingeklappt werden können, wenn der Anhänger an das Zugfahrzeug gekoppelt ist.

Sehen und gesehen werden

Kinderanhänger werden ab Werk ohne Beleuchtung ausgeliefert, obwohl sie für den Straßenverkehr gedacht sind. Auch die zur Montage von normalen Rücklichtern nötigen Ösen sind oft nicht vorhanden. Für die gelegentliche Nutzung kann man sich mit einem Akkurücklicht zum Anstecken helfen, aber für den täglichen Einsatz ist mir die Akkupflege zu aufwändig. Allerdings beruhen meine Erfahrungen mit Akkurückleuchten auf billigen Exemplaren. Außerdem habe ich extra einen Nabendynamo und LED-Beleuchtung am Rad angebaut, damit ich mir um das Licht keine Gedanken mehr machen muss.

Das erste Problem für die Beleuchtung ist die Stromversorgung. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nutzt den Dynamo des Zugfahrzeugs oder man speicht einen Nabendynamo passend für den Hänger ein, wenn die Zugfahrräder normale Vorderradnaben haben. Die erste Lösung lässt sich mit einer Trailermatic von Busch&Müller sehr leicht umsetzen.

Die Trailermatic ist eine Kupplung für das Kabel zum Rücklicht des Anhängers, bei der das Rücklicht am Fahrrad automatisch abgeschaltet wird. Wenn man nur ein Zugfahrzeug verwendet, ist sie auch deutlich preisgünstiger. Die zweite Lösung ist besonders interessant, wenn man mehrere verschiedene Zugfahrzeuge hat, da man nur einen Nabendynamo und nicht mehrere Trailermatics braucht.

Ab drei Zugfahrzeugen fängt es an sich zu rentieren. An den Nabendynamo müssen dann aber entsprechende Verbraucher angeschlossen werden, um Überspannungen zu vermeiden. Man braucht also entweder einen Scheinwerfer und ein Rücklicht oder mindestens 5 Rücklichter.

Ich habe mich für die Trailermatic entschieden, weil sie sich sehr einfach montieren lässt und der Aufwand für die Beleuchtung dadurch sehr gering ist. Ich mag keine Elektrobasteleien und habe auch nicht das nötige Werkzeug dafür, daher war ich über eine fertige käufliche Lösung froh. Für den Passagier ist es meiner Meinung nach auch angenehmer, nicht ständig aus geringer Entfernung, direkt in eine LED sehen zu müssen.

Das zweite Problem ist die Befestigung eines Rücklichts. Ich habe dazu einfach einen Alustreifen und eine Schelle »aus der Kiste« verwendet. Das hält sehr gut, gibt im Ernstfall nach und schädigt im Gegensatz zu Bohrungen den Anhänger nicht.

Bild 3: Rücklicht mit simpler Befestigung

Allerdings ist das Licht sehr tief angebracht und dadurch nicht optimal sichtbar. Deswegen habe ich einfach ein weiteres Rücklicht, das nicht über die Trailermatic gesteuert wird, am Sitz meines Liegerades montiert, so dass es über den Hänger strahlt.

Bild 4: Rücklichter am Liegerad

Auf zusätzliche Reflektoren habe ich verzichtet, weil das Verdeck schon ab Werk mit großzügigen Reflektorflächen ausgestattet ist.

Bei Fahrten im Dunkeln oder bei Straßenbeleuchtung hatte ich das Problem, dass ich weder im Rückspiegel noch beim Schulterblick während des Ampelstopps sehen konnte, was mein Sohn hinten im Hänger macht, z. B. ob er schläft. Da ich das aber gerne sehen möchte, habe ich eine einfache Innenbeleuchtung in den Hänger eingebaut.

Dank einer kurzen, sehr produktiven Diskussion auf der HPV-Mailingliste habe ich mich für ein LED-Rücklicht mit Standlicht als Lichtquelle entschieden. Strom war ja dank der Trailermatic schon da. Das Licht habe ich dann mit einem Stück Aluminium L-Profil und ein paar Kabelbindern im Hänger befestigt.

Bild 5: LED-Rücklicht zur Innenbeleuchtung
Bild 6: Befestigung der Lampe

Das Licht ist zwar nicht sonderlich hell, aber für einen kurzen Kontrollblick reicht es aus. Außerdem kann Jonathan so auch Abends noch die Welt außerhalb des Hängers sehen.

Selbst mit meinen einfachen Shimano DH-3N20 Nabendynamo lassen sich ohne Probleme 3 LED-Rücklichter (hohes Rücklicht am Liegerad, Rücklicht am Hänger und das Rücklicht für die Innenbeleuchtung) und ein Scheinwerfer (IQ-Fly) betreiben. Wegen der vielen Kondensatoren ist allerdings das Standlicht erst etwas später voll verfügbar.

Schlechtwettertauglichkeit

Eigentlich ist ein Kind auch bei richtig schlechtem Wetter im Hänger gut aufgehoben. Es sitzt, im Gegensatz zum Zugfahrzeugfahrer, windgeschützt im Trockenen und gegen Kälte gibt es warme Kleidung. Allerdings bekommt der Hänger bei solchen Fahrten viel Schmutz ab, der dann schnell an der Kleidung des Kindes oder des Fahrers landet. Außerdem spritzten die meisten Hänger bei nassem Untergrund andere Verkehrsteilnehmer voll. Das ist insbesondere auf Wegen, die gemeinsam mit Fußgängern genutzt werden, oder bei Fahrten in der Gruppe sehr störend.

Das Problem lässt sich durch geeignete Schutzbleche lösen. Das Schutzblech am Hinterrad des Zugfahrzeugs sollte sehr eng anliegen und weit nach unten reichen. Ich habe zu diesem Zweck ein 622er (28 Zoll) Aluschutzblech auf 559 (26 Zoll) zusammengebogen.

Bild 7: Hinterrad meines Liegerads mit langem Schutzblech, Anhängerkupplung und Trailermatic

Die Räder des Hängers wurden mit zwei Aluschutzblechen aus dem Keller und der örtlichen Selbsthilfewerkstatt abgedeckt. Die Schutzbleche habe ich mit Schlauchschellen, Winkeln und Schrauben (M5) mit selbstsichernden Muttern am Rahmen des Hängers angebracht.

Bild 8: Befestigung des Schutzbleches

Wider Erwarten funktioniert die Trailermatic, auch wenn sie mit Schneematsch gefüllt ist. Nur der Stecker ließ sich beim Abkoppeln schwer lösen, da er über Nacht fest gefroren war.

Um meinen Sohn vor Zugluft zu schützen, hatte ich den Hänger mit einer Decke ausgelegt. Allerdings verrutschte diese ständig und war nach kurzer Zeit feucht und muffig. Daher habe ich sie wieder entfernt. Vor kurzem habe ich vor dem Eltern-Kindcafé eine bessere Lösung gesehen. Ein anderer Kinderanhänger war mit einer Rettungsdecke ausgelegt, die ja im Gegensatz zu meiner alten Fleecedecke nicht saugfähig ist. Wenn man sie mit Kabelbindern o. ä. am Hänger fest macht, ist das sicher eine gute Lösung. Leider habe ich nur den Hänger und nicht den Fahrer gesehen und konnte daher nicht fachsimpeln.

Auch bei Schnee und Frost bin ich mit dem Hänger gut zurecht gekommen. Weder die Planen noch die Gummiseile waren steif gefroren und auch die Fenster waren nicht beschlagen, was wahrscheinlich am großen Innenraum des Kindercar und der guten Durchlüftung/der unerwünschten Zugluft lag.

Zubehör

Neben meinen Bastellösungen habe ich auch Zubehör beim Hersteller gekauft, um den Hänger an meine Transportbedürfnisse anzupassen.

Abdeckplane
Bild 9: Abgedeckter Hänger

So richtig gelohnt hat sich der Kauf der Abdeckplane für mich nicht. Als ich den Hänger noch häufiger über längere Zeiträume stehen hatte, konnte mein Sohn noch nicht stehen und laufen. Da war es mir oft zu umständlich, die Plane über den Hänger zu ziehen. Jetzt, wo mein Sohn laufen kann und ich die Hände für so etwas frei habe, benutzte ich den Hänger fast täglich und da ist es entweder trocken und ich brauche die Plane nicht oder der Hänger ist vom Fahren nass, dann möchte ich die Plane nicht über den Hänger ziehen, damit es unter ihr nicht schimmelt.

T-Griff
Bild 10: Hänger mit T-Griff

Der T-Griff ist meiner Meinung nach die günstige Alternative zum Buggyset. Er ist kleiner, leichter und kostet nicht soviel. Gerade wenn man den Hänger selten schiebt, ist er sehr empfehlenswert. Der T-Griff ist auch praktisch, wenn man sehr schlechte Wege zu Fuß mit dem Kind zurücklegen will. Bei den großen Schneemengen in diesem Winter (35 Zentimeter, nur teilweise geräumt) kam ich mit dem Hänger mit T-Griff wesentlich besser durch als mit dem Buggy. Nur das Spiel in der Weberkupplung des Griffes finde ich nicht so schön.

Schaumstoffklötze
Bild 11: Kleine Kinder können die Füße bequem auf die Schaumstoffklötze legen.

Für kleine Kinder, die mit den Füßen noch nicht auf den Boden kommen, sind sie sehr sinnvoll. Wenn das Kind schon auf den Boden kommt, sind sie überflüssige Platzverschwerschwendung.

Sandini Schlafkissen

Eigentlich eine schöne Idee, aber nur für Autos geeignet. Der Kopf des Kindes wird zwischen zwei Kissen gelegt, die mit Klettverschlüssen verbunden sind. An den Kissen hängt ein Gewicht, das verhindert, dass der Kopf zur Seite kippt. Fahrradanhänger haben aber meistens keine festen Sitzlehnen sondern Stoffsitze, daher pendelt das Ausgleichsgewicht dem Kind beim Bremsen in den Rücken.

Tragehilfe oder Tragetuch

Das ist zwar an sich kein klassisches Kinderanhängerzubehör, aber die Kombination aus Hänger und Tragehilfe eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Bis zum Zoo oder in die Stadt fährt man mit dem Rad und dann kann man den sperrigen Hänger stehen lassen und das Kind bequem tragen, während es viel mehr sieht als im Hänger.

Sicherheitswimpel

Der Sicherheitswimpel wird zwar bei den meisten Anhängern mitgeliefert. Ich habe ihn aber nicht montiert, da ein Fahrrad mit Anhänger im normalen Verkehr kaum zu übersehen ist. Die lange Stange des Wimpels macht außerdem den Anhänger noch sperriger.

Zum Autor

Christoph Dörffel studiert Maschinenbau an der TU-Chemnitz und ist Alltags-, Tourenradfahrer und Fahrradbastler.

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