Fahrradzukunft

Ausgabe 8

März 2009

Diese Ausgabe als PDF

Editorial

oder »Warte nur, bis Du Kinder hast!«

Das erste eigene Kind stellt einen deutlichen Einschnitt in die Lebensumstände dar. Selbst bislang begeisterte Alltagsradler sehen dann die Anschaffung eines Pkw als unumgänglich an.

Aber es gibt durchaus Alternativen zur Mitnahme der Kinder im Auto. Tadej Brezina und Ulrike Brocza (beide Verkehrswissenschaftler) haben ihre Alltagswege als junge Familie systematisch analysiert. Sowohl finanziell als auch vom Lebensgefühl her erfahren sie die Nutzung von Rad und Bahn statt eines eigenen Pkws als Bereicherung.

Besonders die Mitnahme von Säuglingen mit dem Fahrrad stellt eine Herausforderung dar. Babys können noch nicht sitzen, sollten nicht zu stark durchgerüttelt werden und die Eltern haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit für den Nachwuchs. Nina Maria Nadolny hat eine neuartige Baby-Liegeschale entwickelt, die vor dem Lenker angebracht wird. Olaf Schultz beschäftigt sich mit dem Kleinkindtransport im Kinderanhänger und dafür notwendigen Modifikationen.

Auch Christoph Dörffel hat sich eingehende Gedanken rund um den Kinderanhänger gemacht. Ihm geht es insbesondere darum, die von den Herstellern eher als Freizeitvehikel gestalteten Anhänger für den Alltag zu ertüchtigen. Frank Heusers Familie hat das Auto ab- und zwei Pino-Tandems angeschafft, um mit ihren zwei Kindern mobil zu sein. In zwei Interviews mit jungen Müttern zeigt sich aber, dass selbst überzeugten RadnutzerInnen auf den ÖPNV umsteigen, wenn die Randbedingungen fürs Radfahren mit Kindern zu unattraktiv sind.

Carmen Hagemeister nimmt sich eines gänzlich anderen Themas an: Sie hat für uns eine neue Studie zum Toter-Winkel-Problem bei Lkws gelesen. Überraschenderweise tragen die vielen neuen Lkw-Rückspiegel wenig zur Sicherheit von Radfahrern bei.

In der letzten Ausgabe der Fahrradzukunft hatten wir das Thema Elektro-Fahrräder angekündigt. Dazu erreichten uns schon eine Reihe interessanter Beiträge. Im nächsten Heft wird das Thema schwerpunktmäßig behandelt – und zwar nicht nur euphorisch jubelnd wie in den Medien derzeit üblich. Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse dazu.

Wir freuen uns über alle Zuschriften. Scheuen Sie sich nicht auch unfertige Artikel-Ideen vorzuschlagen. Wir helfen gerne, daraus etwas Lesenswertes zu machen. Auch sind wir immer auf der Suche nach schönen Photos oder Stilblüten (für die Hohlspeiche).

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht das Redaktionsteam.

Andreas Oehler