Fahrradzukunft

Ausgabe 21

Februar 2016

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Reiseradgabel – Nachtrag

von Stefan Buballa-Jaspersen

Nach dem ich mit der sehr weich abgestimmten Reiseradgabel einige Probleme an meinem Reiserad bekommen hatte (vgl. mein Artikel zur Reiseradgabel in Ausgabe 20) , habe ich den Erbauer Alexander Mezey einfach angerufen und das Thema angesprochen. Gemeinsam überlegten wir, was Einflüsse auf das Fahrverhalten haben könnte: Sei es die Federhärte oder die (quasi nicht existente) Dämpfung, wie von mir ursprünglich gedacht, sei es die Steifigkeit der Gabelschwinge oder des Schwingenbogens. Auch diskutierten wir zu später Stunde Einflüsse der Lenkgeometrie (z. B. des Nachlaufs) oder der Steifigkeit der Hinterbauschwinge.

Um dem Problem auf die Spur zu kommen, schickte mir Herr Mezey freundlicherweise eine Testschwinge, die extrem steif (und schwer :-) ) ist und mit der man die Vorbiegung (den Nachlauf) stufenlos variieren kann.

Bild 1: Die massive Testschwinge

Gesagt, getan, ich baute die Schwinge ein und reduziert erst einmal die Vorbiegung soweit, dass der Nachlauf statt 50 mm nun 75 mm betrug. Das Lenkverhalten änderte sich ein wenig in Richtung »träger«, die im vorangehenden Artikel beschriebene Flatterproblematik blieb jedoch weitgehend bestehen.

Einzig ein »Beruhigen« des Federelementes schien zu helfen. Herr Mezey tauschte mir dazu freundlicherweise die Festgabel meiner Reiseradgabel. An meinem neuen Exemplar ist nicht nur die Vorbiegung verringert (Nachlauf 75 mm), sondern an den Seiten der Holme auch jeweils eine Art »Klampe« (wie bei Segelbooten) angelötet. Diese dient dazu, mit einem massiven Gummiseil von 8 mm Stärke die Federcharakteristik einstellen zu können.

Bild 2: Reiseradgabel mit Gummiseil zur Einstellung der Federungscharakteristik

Die Abstimmung der Gabel wird hierbei durch festeres oder lockereres Umwickeln erreicht. Etwas aufwendiger als einfach eine Rändelschraube zu drehen ist es schon, dafür aber sehr »lowtech« und damit reparaturfreundlich. Mit einer sehr harten Abstimmung flatterte das Rad – wie vermutet – etwas weniger schnell. Auf einer viertägigen Tour mit leichtem Campinggepäck zeigte sich jedoch, dass das Phänomen je nach Geschwindigkeit und Gewichtsverteilung immer noch zu spüren ist. An der Steifigkeit der Gabel selber scheint es jedenfalls nicht zu liegen. Ich gehe daher davon aus, dass nicht die Reiseradgabel ursächlich am Flattern beteiligt ist, sondern diese nur die auf Grund einer Fehlkonstruktion der HR-Schwinge bestehende Flatterneigung verschlimmert.

Fazit

Der Konstrukteur bemüht sich in engem Kontakt mit dem Endkunden um Lösungen und schreckt auch vor unkonventionellen Wegen nicht zurück. Mit einer Feinabstimmbarkeit der Federhärte, die in irgendeiner Form in die Serie übernommen werden sollte, gewinnt das Produkt sicher zusätzlich an Attraktivität. Ausreichend steif ist die Gabel jedenfalls.

Zum Autor

Stefan Buballa-Jaspersen, Arzt, Alltags- und Reiseradler, Selbstbau eines Reiserades und eines Alltags-Kurzliegers. Er ist fasziniert von der Schlichtheit und ökologischen Effizienz muskelkraftbetriebener Fahrzeuge. Besondere Interessen: Ergonomische und leistungsphysiologische Aspekte. Besondere Schwächen: Radreisen in Afrika und Nahost …

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