Fahrradzukunft

Ausgabe 14

April 2012

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Leserbriefe

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Seltener Regen

Zu: Titelthema Plitsch-Platsch (Ausgabe 13)

Zunächst einmal vielen Dank und ausdrückliches Lob für die self-made-Zeitschrift »Fahrradzukunft«, auf die ich vor einigen Monaten gestoßen bin. Viele Ihrer Artikel habe ich inzwischen verschlungen. Angeregt durch die Artikel über das Radfahren bei jedem Wetter habe ich meinen eigenen Weg zum Radfahren bei jedem Wetter reflektiert.

Als ehemaliger Viel-Autofahrer, der bis vor drei Jahren bei weitem Weg zur Arbeit auch deutschlandweit und international unterwegs war und jährlich auf etwa 75–85.000 km kam, bin ich nach einer Zwischenstation von 1,5 Jahren aus verschiedenen Gründen nahezu vollständig auf ein Zweirad umgestiegen. Bei (fast) jedem Wetter fahre ich mit einem ganz gewöhnlichen Mountainbike mit 24 Gängen morgens die (nur noch) 8 km auf Wohnstraßen oder auf dem Fahrradweg entlang einer Bundesstraße zur Arbeit. Darüber hinaus fahren meine Frau und ich im Urlaub gern und oft mit dem Rad.

Im nordwestdeutschen Flachland geboren und aufgewachsen, war ich in der Jugend das ständige Fahren mit dem Rad gewohnt. Heute wohne ich in einer Mittelgebirgslandschaft im nördlichen Siegerland auf etwa 430 m ü. NN. Da meine Arbeitsstelle auf etwa 280 m ü. NN liegt, komme ich trotz schneller Fahrt, mit der ich einen gewissen Trainingseffekt erreichen will, kaum verschwitzt bei der Arbeitsstelle an. Ich habe bei Ankunft gewissermaßen eine gute Betriebstemperatur erreicht. Am Nachmittag fahre ich dann, wenn die Waldwege nicht verschneit, vereist, matschig oder verschlammt sind, eine andere Strecke durch Wald und Wohngebiete zurück. Der Weg ist zwar deutlich weiter und beschert mir zusätzliche Steigungen und Abfahrten, die das »Erlebnis Fahrradfahren« angenehmer machen, erhöht aber deutlich den Fahrspaß. Dazu kommen nachmittags die Höhenmeter, die mir morgens die Fahrt erleichtern, allerdings in entgegengesetzter Richtung.

Seit etwa 1,5 Jahren ist das für mich der Alltag, täglich bei Wind, Regen oder Schneefall zur Arbeit und zurück zu radeln. In unserer Mittelgebirgslandschaft lag im letzten Winter wie auch in dem Winter zuvor häufig viel Schnee, so dass Radwege dann nicht mehr geräumt werden. Auch die äußeren Straßenränder sind mitunter vom Schneepflug zugeschoben. Das ist aber für mich kein Grund, das Fahrrad stehen zu lassen. Das Abo für die Monatskarten für den öffentlichen Nahverkehr, auf den ich zunächst umgestiegen war, habe ich seit langem gekündigt. Da interessiert mich der immer dünner werdende Fahrplan in unserer Region nicht mehr. Als Zwischenstation nach Bus-/Bahnfahrten im Abo und vor (fast) ausschließlicher Nutzung des Rades habe ich zu Beginn meines Radlerdaseins im Berufsverkehr hier und da mein Fahrrad in der Rothaarbahn, die Fahrräder bei vorhandenem Platz kostenlos mit nimmt, eine Teilstrecke meines Heimwegs mitgenommen. Die Höhenmeter vom Bahnhof bis zur Wohnadresse blieben mir aber.

So wie ich vorher vieles über den PKW-Verkehr in Deutschland erfahren habe, sehe ich nun den Straßenverkehr und die notwendige Ausrüstung völlig anders. Das fängt an bei der notwendigen Bekleidung für Regenwetter, Schneefall, Frost (durchaus auch mal unter minus 10 °C), geht über zugeparkte Radwege, wenn Autofahrer oder auch LKW-Fahrer schnell mal etwas in einer Bäckerei oder bei der Tankstelle besorgen wollen über nicht geräumte oder gestreute Radwege, über die Rücksichtslosigkeit oder Unaufmerksamkeit gegenüber Radfahrern beim Abbiegen, beim Ausfahren aus Straßen oder von Grundstücken bis zu Erlebnissen mit Schülern und Erwachsenen, die morgens auf dem Weg zur Schule oder Arbeit in Rudeln den Radweg versperren. Die nehmen häufig die Umgebung gar nicht mehr war, da sie auf jedem Weg dem Musikgenuss, durch Walkman oder mobile Telefone produziert und mittels Kopfhörer direkt ins Ohr transferiert, frönen. Das bisschen Restaufmerksamkeit bei manchen gilt dann nur noch dem Mitschüler oder Mitmenschen, der sich in unmittelbarer Nähe befindet. Insbesondere der Fahrradverkehr wird nicht wahrgenommen, auch keine Klingel. Autos können da im Bedarfsfall stärkere Schallwellen produzieren.

Wenn ich nach der Arbeit noch etwas in einer ca. 20 km entfernt liegenden (Groß-)stadt zu erledigen habe, erledige ich das mitunter auch direkt mit meinem Zweirad ohne vorher nach Hause zu fahren und dann mit dem Auto erneut loszufahren. Dann kommen auch schon mal 45 km für eine Fahrt zur Arbeit und zurück zusammen. Soviel zum Hintergrund meines Radlerdaseins im Alltag.

Doch nun zum Fahren bei jedem Wetter zurück: Zunächst einmal gab es während des nun schon stattlichen Erfahrungszeitraums gar nicht so oft Wettersituationen, die mich am Radfahren hinderten. Heftige Regen- oder Schneefälle sind viel seltener als von mir zunächst befürchtet. Zudem kann man bei Schauerwetter auch mal den Regenguss abwarten. Bei regnerischem Wetter oder bei Schneefall trage ich im Sommer wie im Winter eine Outdoorjacke von Schöffel mit herausnehmbarem, im Winter wärmenden Innenfutter sowie mit einer Kapuze oder eine Hyventjacke von The North Face mit Kapuze. Das Haupthaar ist noch intakt, so dass hier ein gewisser Basisschutz gegen Witterungseinflüsse gegeben ist. Die Jacke schützt von der Hüfte an aufwärts gegen Nässe. Wenn es – wie meistens – nicht regnet, reicht auch eine Softshelljacke von The North Face. Dank Kapuze sind auch überraschende Regenfälle kein Problem.

Von der Taille an abwärts trage ich je nach Jahreszeit eine normale Jeans oder eine Jeans mit wärmendem Thermofutter. Die Oberschenkel, die kritische Zone bei Niederschlag, schütze ich bei Regen mit Rainlegs, die ich bei Rose erstanden habe. Damit sind die beschriebenen Distanzen gut zu meistern, ohne dass ich durchnässt am Arbeitsplatz oder zu Hause ankomme. Spezielle Schuhe trage ich auch im Winter nicht. Mir reichen im Winter normale Outdoorschuhe, mit denen man auch einen Schneespaziergang machen könnte.

Die Hände wärme ich im Winter bei jedem Wetter mit gut gefütterten GORE-TEX-Handschuhen von Gore Bike Wear. Die halten Kälte und Wasser erfolgreich ab. An kühleren, trockenen Herbsttagen reichen mir auch ein Paar Fleecehandschuhe von Barts.

Nachdem es im Sommer 2011 viele Male stark geregnet hat, habe ich mir doch noch eine wasserdichte Hose von VAUDE zugelegt, die ich einige Male getragen habe. So konnte ich auch bei längerem, starkem Regen trocken das Büro erreichen.

Soviel zu meinem täglichen Erlebnis »Radfahren bei jedem Wetter«. Ach ja, bleibt noch nachzutragen, dass ich 61 Jahre alt bin. Kein Grund für mich, wieder bequemere Fortbewegungsmittel zu wählen.

Ewald Ahlering, Hilchenbach

Rainlegs mit Konstruktionsfehler

Zu: Wetterbekleidung (Ausgabe 13)

Die Rainlegs habe ich mir im Herbst 2009 gekauft und nutze sie wegen der Zweckmäßigkeit und des Nicht-Schwitzens darunter nach wie vor gern. Ich habe aber auch sehr schnell festgestellt, dass sie einen Konstruktionsfehler haben:
Die Klettbandfixierung unter dem Knie wird über den Regenschutz hinweg um die Wade herumgeführt. Durch diese Anordnung wirkt dieses Band wie eine Tropfkante, die das über die Oberschenkel ablaufende Regenwasser zu den Waden hin ableitet und dort die Hosenbeine pitschnass werden lässt. Vermeidbar wäre das, würde man das Gurtband nicht auf der Außen- sondern der Innenseite des Beinschutzes befestigen.

Diese Änderung habe ich auch dem Rainlegs-Hersteller vorgeschlagen, als Antwort aber nur die Mitteilung erhalten, dass ich die Rainlegs wegen Nicht-Gefallens zurückgeben dürfe. Schade eigentlich um die gute, jedoch verbesserbare Idee.

Heiner Schuchard, Lübeck

Illegaler Fingerling

Zu: Wetterbekleidung (Ausgabe 13)

Ich zitiere:
»Es soll mal eine geniale kleine Erfindung gegeben haben, deren Markteinführung aber aus Sicherheitsgründen verboten wurde: Jemand hatte ein Stückchen Auto-Scheibenwischerblatt mit einem Fingerling kombiniert. Auf den Zeigefinger geschoben, konnte man damit sein Brillenglas freiwischen. Angeblich war dieses Lenker-Loslassen-und-mit-der-Hand-über-die-Augen-Wischen der Grund, warum es nicht auf den Markt gekommen ist, aber jeder kann das für sich ausprobieren.«

Wenn das verboten ist, habe ich hier einen illegalen Link für Sie ;)
Sehen Sie: Louis: Finger-Scheibenwischer

Moritz Landendöfer, Nürnberg

Kopenhagen-Liebhaber

Zu: Dänemark – ein Vorzeigeland für Fahrradfahrer? (Ausgabe 13)

Als Kopenhagen-Liebhaber finde ich den Artikel sehr interessant, da ich bislang kaum in den anderen Landesteilen mit dem Rad unterwegs war. Ich habe in kleinen dänischen Orten relativ unterschiedlich ausgestattete Radwege gesehen. Allerdings waren diese im Winter geräumt, im Gegensatz zu Deutschland. Zum Geisterradeln: Ich genieße es, in Kopenhagen nicht auf Geisterradler zu treffen. Und wenn es an einigen seltenen Tagen dennoch mal vorkommen sollte, dass eine kleine Gruppe Radfahrer für wenige Meter versucht, auf dem falschen Radweg gegen den Strom anzukämpfen, dann waren das deutsche Touristen.

Stefan Warda, Hamburg

Eingangspannung begrenzen

Zu: Steckdose unterwegs – Teil 3 (Ausgabe 13)

Danke für die Fortsetzung zu dem Ladegerät-unterwegs-Artikel.
Ich habe inzwischen auch einen DC-14 hier liegen und will natürlich auch nicht den Flaschendynamo, sondern meinen Nabendynamo benutzen. Weil es keinen Schalter gibt, würde das ja heißen, den DC-14 permanent am Netz zu lassen. Deine Messungen schienen das ja auch problemlos zuzulassen. Aber warum ist das erste Exemplar dann gleich kaputtgegangen?

Fabian Klabunde, Hamburg

Das DC-14 scheint keine hohen Spannungen am Eingang zu vertragen. Einfache Reibraddynamos lassen infolge hoher innerer Verluste die Leerlaufspannung nie über 30 Volt steigen. Ich vermute, dass bei Spitzenspannungen über 40 Volt Schäden wie die beobachteten auftreten. Wie im Artikel beschrieben, empfehle ich mit einer Reihenschaltung von Zenerdioden ausreichender Leistungsfähigkeit die Spannung am Eingang des DC-14 auf 35–40 Volt zu begrenzen. Damit funktioniert der Ladeadapter auch bei Tempo 70 am SON28 im elektrischen Leerlauf ohne Problem – und das ohne nennenswert erhöhte zusätzliche Verlustleistung bei »normalen« Fahrgeschwindigkeiten in der Ebene.

Andreas Oehler, Autor des Artikels, Redaktionsmitglied

Unbekannter Scheinwerfer?

Zu: Steckdose unterwegs – Teil 3 (Ausgabe 13)

Ihre Online-Zeitschrift bietet wertvolle, sehr interessante Information.
In Ihrer Artikelreihe »Steckdose unterwegs« wurde allerdings der im Axa-Nano-Plus-Frontscheinwerfer integrierte USB-Lader nicht mal erwähnt. Dieser mit einem »Eurobike 2010 Award« ausgezeichnete Scheinwerfer müsste Ihrem Redaktionsteam doch bekannt sein.
Ich hoffe also, dass die Redaktion Ihrer Zeitschrift dieses Versäumnis bald verbessern wird.

Martin Dupont, Tres Cantos (Madrid, España)

Den Axa Nano habe ich selbstverständlich auf der Eurobike angeschaut und mich mit dem Produktmanager darüber unterhalten. Die dort ausgestellten Exemplare waren aber alles andere als Serienmodelle. Muster wurden uns für Ende Oktober 2010 zugesagt. Später hieß es, die ersten Exemplare gäbe es im Februar 2011. Mittlerweile heißt es von Axa-Basta, im Herbst sei der Nano verfügbar. Die einzige Aussage, die man dazu treffen könnte, ist, dass die Eurobike-Award-Jury nicht ordentlich geprüft hat, ob es sich um ein reales Produkt handelt, das ausgezeichnet wird …

Wenn Sie gute Beziehungen zu Axa-Basta haben und mehr wissen als wir – oder gar die Möglichkeit haben, uns zu Musterexemplaren zu verhelfen – dann werden wir das Produkt gerne testen. Pressemitteilungen des Herstellers abdrucken, wie das viele andere Fahrradzeitschriften gemacht haben, widerspricht dem Selbstverständnis der Fahrradzukunft.

Andreas Oehler, Autor des Artikels, Redaktionsmitglied

Weißer Rauch bei 84 km/h

Zu: Steckdose unterwegs – Teil 2 (Ausgabe 12)

Ich finde es klasse, dass ihr die vielfältigen Ladegeräte, die mit dem Boom der Nabendynamos und Kleingeräte auf den Markt drängen, auch nach technischen Aspekten wie Wirkungsgrad, Leerlaufverluste oder Maximalstrom testet. Die Vergleichstest werden sicherlich die Qualitätsverbesserung vorantreiben. Ein Umstand ist euch jedoch entgangen, zumindest beim Kemo Fahrrad-Laderegler M172, nämlich die Spannungsfestigkeit.

Den Laderegler M172 betreibe ich am Rennrad parallel zum Edelux-Scheinwerfer von Schmidt und zum Seculite-Rücklicht von Busch&Müller. Gespeist wird die elektrische Anlage vom SONdelux-Nabendynamo. Mit der USB-Buchse des Ladereglers lade ich keine Akkus auf, sondern versorge das Navigationsgerät eTrex Vista HCx während der Fahrt mit Strom. Das verlängert nicht nur die Laufzeit der Stützbatterien bzw. Akkus, die im Stillstand die Stromversorgung übernehmen, sondern verhindert lästige Stromunterbrechungen, wenn die Akkus im Batteriefach durch die Vibrationen klappern. Mit Hintergrundlicht und elektronischem Kompass zieht das Navi gerade mal 120 mA Strom, also gerade 0,6 W elektrische Leistung, weshalb mich der geringe Wirkungsgrad des M172 nicht stört.

Sobald jedoch die Spannung am Nabendynamo 25 Volt übersteigt, schaltet sich der Kemo-Laderegler ab. Die Kontroll-Leuchtdiode erlischt, und das Navigationsgerät schaltet mit einer piepsenden Warnmeldung auf die interne Stützbatterie um. Beim Rennrad mit dem SONdelex-Nabendynamo tritt das spätestens bei 42 km/h auf. Erst wenn die Geschwindigkeit unter 27 km/h sinkt und somit die Spannung am Nabendynamo unter 15 Volt fällt, schaltet sich der Laderegler wieder ein. Ich vermute, dass ein Gleichspannungswandler im M172 arbeitet, welcher die 5 Volt Ausgangsspannung liefert, aber nicht mehr als 24 Volt Eingangsspannung verträgt, und dass eine Schutzschaltung bei höheren Spannungen den Regler vom Nabendynamo trennt.

Das unbeschriebene Verhalten ärgert mich um so mehr, als ich eigentlich bei hohen Geschwindigkeiten verhindern will, dass Vibrationen im Batteriefach die interne Stromversorgung des Navigationsgerätes unterbrechen. Die ungewollte Stromunterbrechung kann ich nur verhindern, indem ich das Fahrlicht dazuschalte, damit dessen höherer Strom die Spannung des Nabendynamos auf 6 Volt runterzuzieht. Ich hoffe nur, dass die Edelux-Scheinwerfer-Elektronik die häufigen Spannungsspitzen verträgt, die beim Einschalten unter voller Geschwindigkeit entstehen. Eigentlich will ich mich am Radfahren erfreuen und mich nicht auf die Stromversorgung konzentrieren.

In meinem Tourenrad werkelt ein herkömmlicher SON-28-Nabendynamo, der schneller höhere Spannungen erzeugt als der SONdelux. Hinzukommt die höhere Drehzahl der 26-Zoll-Laufräder. Er treibt nachts zwei Halogonscheinwerfer in Serie an. Der Laderegeler M172 von Kemo schaltet hier die Stromversorgung des Navigationsgerätes schon bei 30 km/h ab und erst bei 18 km/h wieder ein. Die Hysteresis kann man umgehen, indem man den Laderegler für wenige Sekunden ausschaltet und dann wieder einschaltet. Ich vermute, dass sich dabei ein Glättungskondensator entlädt, sodass die interne Spannung unter einen Schwellwert sinkt. Der Überspannungsschutz des Laderegelers verträgt jedoch keine hohe Spannungen, zumindest keine 70 Volt. Einmal mit 84 km/h den Berg runtergedüst, platzte das Gehäuse auf und stinkender weißer Qualm quoll hervor.

Von: Uwe Schellhorn

Zu guter Letzt möchte ich noch eine allgemeine Bemerkung loswerden. Die Elektronik zog zuerst mit LED-Rücklichtern Einzug in die Fahrradtechnik, diesen folgten die LED-Scheinwerfer, bald werden auch die Ladegeräte zum Standard gehören. Jedes Bauteil enthält seinen eigenen Gleichrichter, seinen Spannungsregler, seinen eigenen Überspannungsschutz und gegebenenfalls einen Goldcap-Kondensator fürs Standlicht. Die doppelte und dreifache Ausführung kostet Geld, Gewicht und womöglich auch Wirkungsgrad. Supernova bietet bereits eine Kombination aus Scheinwerfer und Rücklicht an, welches vom Scheinwerfer-Standlicht gespeist wird. Allerdings lässt noch die Helligkeit des Standlichtes zu wünschen übrig. Axa wurde für den Nano-Plus-Scheinwerfer letztes Jahr mit dem Eurobike Award ausgezeichnet, welcher gleich die USB-Stromversorung enthält, wenn auch nicht im Parallelbetrieb. Der Scheinwerfer wurde mittlerweile wieder aus dem Handel gezogen. Wer bringt als Erster den Scheinwerfer heraus, der gleichzeitig das Rücklicht mit Gleichstrom sowohl im Fahrbetrieb als auch im Stillstand und einen USB-Stecker mit 5 Volt versorgt?

Uwe Schellhorn, Aalen

Vielen Dank für diesen Bericht aus der Praxis. Das Kemo M172 hatten wir bis Tempo 70 km/h am SON28 getestet, zum einen im Leerlauf und zum anderen mit angeschlossenem Smartphone, das ca. 400 mA Ladestrom zieht. Abschalten bei schneller Fahrt (insbesondere im elektrischen Leerlauf) konnten wir auch feststellen, allerdings keine Zerstörung. Unsere ausführlichen Messungen beschränkten sich auf den Bereich 5–50 km/h, weil wir nicht davon ausgehen, dass eine nennenswerte Zahl von Nutzern schneller unterwegs ist. Von anderen Kemo-Nutzern haben wir bislang keine Berichte über Defekte erhalten. Allein schon wegen seines schlechten Wirkungsgrades bei schneller Fahrt ist der M172 für keine optimale Wahl für Menschen, die häufig sehr schnell unterwegs sind. Als robuste, preisgünstige Lösung möchte wir wieder den »Minimallader« aus Heft 12 als Alternative empfehlen.

Andreas Oehler, Autor des Artikels, Redaktionsmitglied

Langlebige Kettenblätter: Mangelware

Zu: Ist Stahl wirklich haltbarer als Alu? (Ausgabe 10)

Habe mit großem Interesse Ihren Artikel auf der Website gelesen.

Mein Problem: Ich fahre auch beim Mountainbike (Hardtail KTM) lieber große statt kleine Gänge, bin vorwiegend im Thüringer Mittelgebirge unterwegs – im Durchschnitt ca. 400 Höhenmeter auf 40 km, und das Ganze pro Tag.

Mein Fahrrad hat ca. 7.000 km mit mittlerweile dem 4. großen Kettenblatt (48 Zähne) auf dem Buckel. Das letzte Kettenblatt hat nunmehr knapp 2.000 km gehalten, andere jedoch waren auch schon nach 500 km Rennsteig dahin (glücklicherweise hat der Hersteller auf Garantie/Kulanz getauscht).

Als gelernter Maschinenbauingenieur musste ich mit Erschrecken feststellen, dass das äußere Kettenblatt aus Alu ist. Nur die anderen sind aus Stahl. Da das große bei mir aber zu 70 bis 80 % im Einsatz ist und das mittlere nur die restlichen 25 % übernimmt (das kleine ist nahezu unberührt, brauche ich nur an den ganz steilen Anstiegen, wo man mit Schieben ohnehin schneller ist).

Selbst auf der Suche habe ich leider keinen Hersteller gefunden, der mit seinem Kettenblatt auf Dauer (Ziel 10.000 km, beim Auto tausch ich ja auch nicht alle halbe Jahr das Getriebe) ein hohes Antriebsmoment dauerhaft übertragen kann.

Alu hat nur 550 N/mm2 Festigkeit, wo ein einfacher Vergütungsstahl wie 42CrMo4 auf nahezu das doppelte kommt (durch Nitrieren möglicherweise noch bessere Verschleißfestigkeit an den Zähnen). Für mich, 1,94 m groß, 115 kg schwer, ist diese unnütze Gewichtseinsparung von geschätzten 150 Gramm absolut unverständlich.

Auf der Suche nach einem äußeren Kettenblatt aus Stahl mit 48 Zähnen bin ich leider noch nicht fündig geworden. Da Sie sich schon mit diesem Thema befasst haben, meine Frage ob Sie Hersteller kennen, bei denen ich fündig werden kann?

In letzter Instanz würde ich mir zwei Ritzel selbst fertigen, dazu fehlen mir aber die 3D-Daten, damit ich die Zahnflanken naturgetreu nachfräsen könnte. In überteuerte Titan-Ritzel zu investieren ist mir zu unsicher!

Über eine Rückantwort Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.

Mirko Brachmann, Sonneborn

Die Lebensdauer Ihrer großen Blätter – nur 500 bis 2.000 km – ist selbst für weiches Aluminium extrem kurz.

Einerseits halten große Blätter normalerweise wesentlich länger als mittlere oder gar kleine, weil das Hebelverhältnis günstiger ist: Bei gleicher Pedalkraft ist die Kettenzugkraft entsprechend kleiner. Andererseits ist der kraftvolle Einsatz großer Gänge, besonders bergauf, nur mit einem sehr »unrunden« Tretstil möglich: Eher »Stampfen« als »Kurbeln«.

Kurbler alias Schnelltreter wählen kleine Gänge und verteilen die Belastung relativ gleichmäßig über die gesamte Umdrehung (am besten unterstützt durch Fußkoppelsysteme wie Klickpedale oder Pedalhaken).
Stampfer alias Schwertreter dagegen nutzen nur einen wesentlich kleineren Gesamtwinkel, bei annähernd waagerecht stehenden Kurbeln. Für die gleiche Leistung müssen sie viel größere Momentankräfte aufbringen, was den Kettentrieb (aber auch das Kniegelenk) entsprechend belastet.

Ein kritischer Blick auf das verschlissene Kettenblatt verrät den Tretstil des Fahrers. Gleichmäßige Sägezähne über den gesamten Umfang: Schnell- und Rundtreter. Stark verschlissene Zähne in zwei Bereichen (rechtwinklig zur Kurbelachse), die restlichen Zähne sehen viel besser aus: Schwer- und Langsamtreter.

Sie könnten mal ausprobieren, kleinere Gänge zu fahren. Die Umstellung braucht Zeit, weil sich der Tretreflex »einschleifen« und die Muskulatur die schnellere Bewegung »lernen« muss. Möglicherweise reduziert das Ihren (bisher rasanten) Verschleiß, einerseits durch die gleichmäßigere, schwächere Belastung, andererseits durch die Verteilung auf zwei regelmäßig genutzte Blätter (kleinere Gänge bedeutet ja, das mittlere öfter zu nutzen).

Stichwort Gewichtsersparnis: Nach der vorherrschenden Marktideologie sind wir alle leichte, durchtrainierte Bergfexe. Klein, dünn, leicht gebaut, kein überflüssiges Gramm Fett. Wir sind die Schnellsten, haben nur Rekorde im Kopf und keine anderen Bedürfnisse (Mobilität? Das ist doch nur was für Weicheier). Überflüssiger Schnickschnack (Licht, Schutzbleche, Parkstütze …) kommt uns nicht ans Rad, weil viel zu schwer. Gepäckträger schon garnicht – völlig unsinnig, Gepäck bremst doch nur.

Die Maschine muss leicht sein. Leicht ist geil. Viele Kaufinteressenten schauen zuerst auf die zwei wichtigsten Zahlen im Prospekt: Euro und Kilogramm. Das fängt schon in der 500-Euro-Klasse an, und bei teureren Maschinen ist der Kilofetisch noch viel mächtiger. Im High-End-Sektor ist es völlig normal, für ein Kilogramm weniger (das man eigenen Körper gratis abspecken könnte, wenn man denn wollte) ein paar tausend Euro mehr auszugeben.
150 Gramm Gewichtsersparnis sind da natürlich ein dickes Pfund. (Alt)eisen ist retro, Alu veraltet, die Zukunft gehört dem Carbon-Kettenblatt …

Verschleiß und langfristige Betriebskosten dagegen haben nie eine Geige auf dem Fahrradmarkt gespielt. Beispiel Kette: Für andere (weniger verschleißbehaftete) Bauteile gibt es oft ausführliche technische Dokumentationen. Aber mir fällt kein Kettenhersteller ein, der dem Nutzer verrät, wie und womit das Verschleißteil zu schmieren wäre. Das muss der schon selbst rausfinden, mehr oder weniger experimentell. Analogie: Motorölwechsel bei Kraftfahrzeugen, deren Hersteller viel mitteilsamer sind.

Eine kaufbare Alternative für Ihr Problem fällt mir nicht ein. Von Shimano gibt es zwar Stahlkettenblätter mit guter Lebensdauer (Deore XT und Deore, »Verbundbauweise«, mutmaßlich gehärtet bzw. vergütet), aber nur als mittlere, mit 32 bzw. 36 Zähnen. Davon profitieren nur die Fahrer, die wie ich in der Ebene und an moderaten Steigungen fast nur auf dem mittleren Blatt fahren und das große nur bergab oder bei Rückenwind nutzen.
Große Stahlkettenblätter kenne ich nur als Billigvarianten aus weichem Baustahl, die schneller verschleißen als gute (harte) Aluminiumblätter. Stahl ist eben nicht immer gleich Stahl, und Alu nicht gleich Alu. Wirklich schlauer macht nur der Härtetest – im einfachsten Fall eine Ritzprobe mit der Reißnadel.

Die von Ihnen angedachte Eigenbaulösung kann nur funktionieren, wenn Sie ziemlich enge Fertigungstoleranzen (Maße und Teilung) einhalten können.
Falls ja, könnte ich Ihnen wohl Daten liefern, und auch Kontakt zu einem engagierten kleinen Kettenblattfabrikanten herstellen, den Sie knowhowmäßig ausquetschen könnten.
Aber dann müssen Sie auch mit einem Kleinauftrag von mir rechnen: Wenig Fräsarbeit, weil nur 15 bzw. 16 Zähne ;o).

Rainer Mai, Autor des Artikels, Redaktionsmitglied

Nahezu fundamentalistisch

Zu: Elektroräder sind einfach nur toll – wirklich? (Ausgabe 9)

Ihren Beitrag habe ich mit Interesse gelesen, gefunden über das Flyer-Forum Suchwort Energieverbrauch, und auch die anderen Beiträge des Heftes, z. B. zum Elektro-Akku.

In vielen gebe ich Ihnen Recht, aber vielleicht Zweierlei:
Wenn die Alternative für die sagen wir mal 65- bis 75-Jährigen (und das ist ein wachsender Teil der Bevölkerung) Verbleiben im fußläufigen Bereich ist, oder noch mehr Bus fahren (mehr Nahverkehrsausbau) oder elektrogestütztes Fahrradfahren, das auch noch fit hält auch gegenüber dem Pkw, dann spricht doch einiges für die Pedelecs für diese Zielgruppe (menschenrechtlich und ökologisch). Ähnliches gilt für Eltern, die ihre Kinder statt mit dem Offroader mit Pedelec und Anhänger in die Kita hintern dem Hügel bringen. Vielleicht sollten Sie von der Topographie Frankfurts (und den dortigen Windverhältnissen) nicht auf die ganze Welt schließen. Kein Wunder, ist die Pedelec-Dichte in der Schweiz sehr hoch, und ich sehe viele Senioren mit dem Flyer unterwegs.

Bei allem sachlich Zutreffendem finde ich manches in den Beiträgen der Ausgabe 9 nahezu fundamentalistisch. Meist wird hier das Pedelec mit dem Fahrrad verglichen und schneidet da natürlich schlecht ab (also: ich bin einig, dass eine Substitution des reinen Muskelkraftfahrrades durch Pedelecs nicht wünschenswert ist). Alle Ihre Argumente ziehen aber nur, wenn das Fahrrad wirklich als Option zur Verfügung steht. Gegenüber den anderen Optionen, insbesondere feinstaubemittierenden verbrennungsmotorgetriebenenen Zweirädern (nach weiteren 10 Jahren Kleinstmotorenentwicklung mag das anders sein), erst Recht schweren Pkws, sieht es aber ganz anders aus. Aber das klammern Sie aus, da die Betrachtung in diesem Heft offenbar auf Fahrzeuge mit schmalen Reifen festgelegt ist.

Wenn man den Betrachtungswinkel weit aufmacht und z. B., wie in der Diskussion im Flyer-Forum, überlegt, wie man eine stadtrandgelegene Siedlung autofrei bekommt (Wohnbaugenossenschaft Oberfeld), dann ist das normale Fahrrad die zentrale Säule, die aber ohne weitere (ergänzende Transportmittel) gar nicht erst aufgebaut werden kann. Die glückliche (Fahrrad-)Zukunft liegt in Vielfalt und Differenz.

Wolfgang Beywl, Bern

Klischee aus Fleisch und Blut

Zu: Elektroräder sind einfach nur toll – wirklich? (Ausgabe 9)

Sie schreiben:
»Andererseits ist von Elektroradbefürwortern immer wieder zu hören, dass es sie doch gibt – die Gesunden und Leistungsfähigen, denen das Pedelec den Weg zur Arbeit erleichtert. Ein Standardbeispiel ist der Spessart- oder Hintertaunus-Bewohner, der viele Höhenmeter auf dem Weg zur Arbeit hat, die ohne Hilfsantrieb viel schwerer und langsamer zu bewältigen sind.«
Hübsches Profil – nur in Fleisch und Blut getroffen habe ich dieses Klischee noch nicht.
»Ich bezweifle nicht, dass solche Pedelec-Nutzer existieren – aber wie viele sind es?«
In Marburg sicher einige Dutzend. Was der damalige Aachener OB nur als Ausrede beschwor, stimmt hier wirklich: Die Topografie rund um die Stadt macht es ungeübten Radlern schwer, sich weit vom Fluß zu entfernen – und auch solchen, die zu einem Termin wollen, ohne vorher noch zu duschen.

Der Uni-Standort Lahnberge (typisches Erweiterungsgebiet der 1970er Jahre für alte deutsche Uni mit Klinikum, Naturwissenschaften u.ä.) liegt fast 180 Höhenmeter über der Stadt. Dazu kommen auf der »Rückseite« der Berge grauenhafte Busverbindungen. Ich würde nicht schreiben, hätte mich nicht heute morgen das Klischee aus Fleisch und Blut überholt – unter erkennbar kräftigem Mittreten. Fazit: Es ist eine Nische, aber eine solche kann auch eine gewisse Breite annehmen, wie z. B. auch die hier exzellent funktionierende Nischenlösung Carsharing zeigt.

Was in der Praxis wirklich hilft: Ganz normale Fahrräder auch mal im Stadtbus mitnehmen zu können. Hat sich hier recht gut eingespielt und bietet den Schlechtwetterschutz, den ich bei fast allen Sorten Fahrrad immer noch schmerzlich vermisse.

Martin Pauly, Marburg

Die Zeitschrift, die mir gefehlt hat

Ihr macht da eine ganz tolle Arbeit!

Ich hab’ von euch erst auf der letzten SPEZI gehört und muss sagen: Das ist die Zeitschrift, die mir gefehlt hat!
Die anderen sind auch gut, haben aber meist nicht die Themen, die mich interessieren. Ich bin Alltagsradler, der an Transportlösungen mit dem Fahrrad und zügigem Vorwärtskommen in der Stadt und im Umland interessiert ist (Lastenräder, Anhänger, Liege-Dreiräder).

Im Moment überlege ich, mein altes MTB auf Nabenschaltung umzubauen und trotzdem die Dreiblatt-Kurbel vorne zu lassen – mal sehen, wie es wird.

Johannes Leibig, Speyer