Fahrradzukunft

Ausgabe 11

April 2010

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Wie ein Kettennietendrücker nicht gebaut sein sollte

Oder: Preisverleihung »Rostiger Schraubenschlüssel« an Tacx

von Stefan Buballa-Jaspersen

Es war während meiner Südamerikaradtour. Im hügeligen Missiones (Nordostargentinien) hatte ich öfters Ärger mit meiner Kette. Da mein Kettenieter, den ich einige Male verwenden musste, nicht mehr der Jüngste war, suchte ich nach Ersatz. Ich bat daher einen Freund zu Hause in Europa, in das Ersatzteilpäckchen, was wir für Salta, Nordargentinien erwarteten, einfach noch einen kompakten beizulegen. Er schickte mir einen Tacx MiniMax T3280. Und kompakt ist das Teil! Und was für ein rasantes Design!

Bild 1: Was für ein schickes, kleines Tool!

Praxiserfahrungen

In der Praxis erwies sich das Wunderteil aber als völlig wertlos. Bereits bei der ersten Kettenkürzung, die ich unterwegs durchführen musste, passierte es: Die Verbindung Kunstoffhandgriff-Stahlspindel löste sich und drehte durch – Totalschaden. Unterwegs schon gar nicht zu reparieren. Und damit hatte ich mal wieder ein Stück Verbundmüll produziert, denn die restlichen Kunststoffteile sind leider nicht so einfach vom Stahl zu entfernen.

Bild 2–3: Der Kunststoffgriff ist nur auf die Spindel aufgespritzt

Fazit

So hübsch klein das Werkzeug aussah – es taugt wirklich nichts. Schockiert hat mich bei der Angelegenheit, dass die Herstellerfirma anscheinend nicht dazulernt (ihre Kunden vielleicht auch nicht …): Der geschilderte Fall ist keine Ausnahme. Als ich vor vielen Jahren auf der Suche nach preiswertem Tretlagerwerkzeug war, stieß ich ebenfalls auf ein Produkt von Tacx.

Wieder wurde eine Stahlspindel, die diesmal das Werkzeug für die rechte Lagerschale gegen abrutschen sicherte, mit einem Kunststoffgriff versehen. Bei der ersten besten Gelegenheit – oh Wunder – drehte sich hier auch alles frei!

Bild 4: Selber nachgebessert

Ein als Griff angelötetes Stahlrohr brachte dann Ruhe – aber so eine Operation nur wegen eines missratenen Werkzeugs …? Wieso muss ich als Laie und Kunde solche naheliegenden Lösungen suchen?

Zum Autor

Stefan Buballa-Jaspersen, Arzt, Alltags- und Reiseradler, Selbstbau eines Reiserades und eines Alltags-Kurzliegers. Er ist fasziniert von der Schlichtheit und ökologischen Effizienz muskelkraftbetriebener Fahrzeuge. Besondere Interessen: Ergonomische und leistungsphysiologische Aspekte. Besondere Schwächen: Radreisen in Afrika und Nahost …

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